Allgemein · Gedanken

Presse – darf ich bitte mal vorbei!

Ich glaube das war so ziemlich der coolste Moment in meinem Praktikum. Fast schon Filmreif. Auch wenn der Anlass dazu es nicht war…

Mein Praktikum bei der Zeitung ist nun seit Anfang Oktober zu Ende. Ich möchte euch hier mal erzählen was so los war, wie es mir gefallen hat, meine Erfahrungen.
Ich hatte immer eine ganz bestimmte Vorstellung was es heißt bei der Presse, als Journalist zu arbeiten. Presseausweis, Pressetermine, gefährliche Gespräche, schnüffeln, aufdecken, … alles was im Film eben richtig cool rüber kommt. Mal mehr wie bei Vogue à la Carrie Bradshaw, mal mehr wie beim FBI. Dass die Realität doch etwas anders aussieht, dürfte niemanden all zu sehr überraschen. Besonders in einer Lokalredaktion.

Seit einer etwas längeren Zeit, wollte ich Journalist werden. Ich weiß gar nicht genau, wie oder woher der Gedanke kam. Aber irgendwie kristallisierte sich die Presse immer mehr zu einem Traumjob für mich. Schon vor langer Zeit habe ich mal zu meinen Eltern gesagt: ich gehe mal zur Vogue! Und tatsächlich habe ich den ersten Schritt in diese Richtung gewagt. Dass ich das wirklich durchgezogen habe und dass es so einfach war, kann ich ehrlich gar nicht richtig glauben. Und das es mir so einen Spaß macht, genauso wenig. Irgendwie fühle ich mich, als wäre ich auf dem richtigen Weg. Habe eine Zukunftsvision, die sogar in erreichbarer Ferne liegt. Und das fühlt sich ganz toll an. Lange wusste ich nicht wo es hingehen soll, aber so langsam, scheinen sich die Puzzleteile zusammen zu fügen.

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Mein Erfahrungsbericht

Also mein Praktikum waren super lockere vier Wochen. Angefangen habe ich gegen 11 Uhr, nach Hause ging es meistens gegen halb sieben. Insgesamt sitzen in unserer Redaktion vier Redakteure, eine Volontärin und fünf Freie Mitarbeiter (mich mit gerechnet). Die Redakteurin, bei der ich auch meistens im Büro arbeite, hat mich an einem Abend mit auf eine Ortsratsitzung genommen. Spannend, aber genauso verwirrend für mich. In politische Angelegenheiten fällt es mir sehr schwer mich hinein zu denken. An einem anderen Abend ging es zu einer Diskussionsrunde aufgrund einer aktuellen Verkehrssituation in einer Ortschaft. Ganze zwei Stunden langen haben sich die Bürger gegenseitig angeschrien und Vorwürfe gemacht. Nach nicht einmal zwei Wochen habe ich meinen ersten richtigen Pressetermin in die Hand gedrückt bekommen, auf den ich völlig alleine gegangen bin. Mein erster Aufmacher. Auf Seite 2! In der zwischen Zeit kam es noch zu einem richtig spontanen Einsatz. Nachdem sehr deutlich Feuerwehr, Polizei und Notarzt zu hören waren, landete direkt vor der Redaktion ein Hubschrauber. Schnell die örtliche Polizei befragt: Brandmeldung in einer Schule. Direkt in unserer Nähe. Tasche geschnappt und nichts wie hin. „Hallo wir sind von der Presse, lassen sie und bitte durch?“ Die Polizei guckte zwar etwas argwöhnisch, aber wir wurden durch gelassen. Gott sei Dank war der Einsatz nichts Ernstes und es gab auch keine Verletzten. Aber es war trotzdem ein cooler Moment. Nicht viel später gabs gleich den nächsten Pressetermin: ein Interview mit einem Chorleiter der 40-jähriges Jubiläum feierte, mit anschließender Chorprobe. Obwohl ich gerade vor einem Interview sehr nervös war, war es ein richtig schöner Abend. Der Mann, den sogar mein Vater kannte, war sehr freundlich und offen. Und genauso unerfahren wie ich, was die Situation ungemein einfacher machte. Der Artikel dazu erschien schließlich auch vor kurzem und bekam eine ganze Seite in der Zeitung. Und was mich am allermeisten daran freute, der Chorleiter schrieb mir eine Mail in der er sich für den tollen Artikel bedankte, für die großartige Chance die ihm, seinen Chören und seinem Konzert damit geschenkt wurde. In diesem Moment war mir wieder total klar, warum ich das ganze mache. Der Monat war super schnell zu Ende und ich bin, wie ihr sicher mitbekommen habt, geblieben. Ich weiß, dass ich noch viel zu lernen habe und auch immer noch Fehler mache. Aber ich finde, dafür dass ich erst so kurz bei der Presse arbeite, schlage ich mich ganz gut. Auch wenn Eigenlob stinkt,…

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Einige negative Punkte gibt es allerdings auch, die ich nicht einfach abtun möchte. Es gibt einen freien Mitarbeiter in der Redaktion, der gerne mal anderen die Artikel klaut. Es gab bisher einige dieser Situationen. Ich habe einen großen Artikel geschrieben, mir Zeit dafür genommen und mir Mühe gegeben. Und ein paar Tage später sehe ich zu dem selben Thema einen Artikel in der Zeitung, allerdings nicht von mir. Besagte Person schreibt einfach zu allem Artikel, obwohl er genau sieht, dass zu diesem Thema bereits ein Artikel existiert. Wirklich viele Artikel liegen später doppelt vor und was eben zuerst beim Redakteur ankommt, wird eben gedruckt. Ich finde das ehrlich gesagt eine bodenlose Frechheit und vor allem einfach nur respektlos den anderen Mitarbeitern gegenüber. Ich sitze schließlich nicht dort weil ich nichts besseres zu tun habe in meinem Leben, sondern weil ich schreiben möchte, mit dem Ziel dass meine Mühe und Arbeit belohnt wird. Und das eben indem meine Artikel veröffentlicht werden, schließlich verdiene ich auch nur so ein bisschen Geld daran. Ich werde dieses Problem demnächst persönlich bei besagter Person ansprechen. Man merkt eben sehr deutlich, welche Mitarbeiter bevorzugt werden, so dass es sogar anderen auffällt. Eigentlich finde ich das schade, da mir so kaum die Chance auf Termine oder Erfahrungen bekomme. Obwohl ich erst seit kurzem da bin, fallen mir solche Sachen eben auf. Ich werde dem ganzen noch etwas Zeit geben, gerade weil ich noch nicht lange dort bin und noch viel zu lernen habe. Mal abwarten wie sich alles in der Zukunft entwickelt. Übrigens gilt unsere Redaktion als eine, die viele Volontäre abschreckt, es geht wohl doch etwas anders zu, als in größeren Redaktionen. Aber hey, wir sind schließlich auf dem Land …

Insgesamt macht mir die Arbeit großen Spaß. Manchmal zerrt es aber einfach an den Nerven wenn die Arbeit eines ganzen Tages umsonst war, nur weil jemand deine Artikel klaut. Da frage ich mich dann wirklich wozu ich acht Stunden dort sitze. Ich stehe nun mal nicht auf Arsch kriechen. Und lieber mache ich mir mit meiner Art Feinde, als unechte Freunde.

Übrigens gibt es scheinbar relativ selten wirklich Presseausweise, bei uns hat glaube ich nur der Fotograf einen. Auf dem Land kennt eben jeder jeden. Gefährliche Gespräche habe ich keine mitbekommen, aber davon träume ich einfach nachts weiter. Vielleicht ergibt sich ja irgendwann mal eine „F.B.I.-Situation“ 😀

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